Universitäten sollen vor allem Neugierde und forschendes Lernen fördern und sich nicht den Fachhochschulen annähern, indem sie gezielt für den Arbeitsmarkt ausbilden.
Studierende sollen angeregt werden, aus verschiedenen Wissensbeständen neues Wissen zu generieren und damit Problemlösungskompetenz zu entwickeln – eine entscheidende Fähigkeit für eine erfolgreiche Karriere.
Das bedeutet auch, dass es erlaubt sein muss, „out of the box“ zu denken und Dinge kritisch zu hinterfragen. Außerdem warne ich vor dem Trend, die Universitäten weiter zu verschulen. Ich selbst habe im Studium gelernt, mich zu organisieren, das hat mir im Berufsleben sehr geholfen.
Neben Forschung und Lehre wird derzeit der „Third Mission“ – dem gesellschaftlichen Auftrag – der Universitäten viel Aufmerksamkeit geschenkt. Selbstverständlich halte ich es für wichtig, dass Wissenschaft die Gesellschaft weiterbringt, ich glaube aber, dass Wissen verschwinden wird, wenn Universitäten in Forschung und Lehre sich nur am unmittelbaren Nutzen orientieren. Denn welche Rechtfertigung hätten dann etwa Germanistik oder Kunstgeschichte? Auch Wissen aus sogenannten Orchideenfächern ist wertvoll.
Jede Studienrichtung, unabhängig davon, ob an einer Universität, Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule, sollte die beruflichen Optionen ihrer Studierenden „mitdenken“ und in ihr jeweiliges Curriculum integrieren.
Ich denke, dass eine profunde, das heißt, auch kritische Rezeption der Berufswelt die wissenschaftliche Arbeit und Erkenntnisgewinnung weit mehr unterstützt als blockiert.
In Verbindung mit dem Erwerb fachlicher Skills sollte von Anfang an auch die Entwicklung bzw. Professionalisierung von Soft Skills stehen: Projekte zu planen, zu begleiten und umzusetzen, die Ergebnisse zu kommunizieren und in einen größeren, auch interdisziplinären Zusammenhang zu stellen. Essenziell sind fachübergreifende Kompetenzen im Bereich des Verständnisses und der methodischen Handhabung von Statistik – Schlagwort: Big Data –, Fremdsprachen, solide Basiskenntnisse der IT, aber vor allem ein Verständnis für deren Anwendungslogiken in den unterschiedlichen Disziplinen sowie der professionelle Umgang mit digitalen Medien. Das alles schließt ein: eine Vielzahl an Informationen prüfen, bewerten, gegebenenfalls adaptieren und neu interpretieren zu können. Auch Managementkompetenzen sollten vermittelt und „trainiert“ werden.