1/2019
UNIZEIT
8/11

Grenzgänge

Ums Visum zittern, die Sprache nicht verstehen, fremde Essgewohnheiten verdauen müssen: Ein Auslandsstudium ist zumindest zu Beginn selten ein Erholungsurlaub - aber eine ideale Gelegenheit, um an sich selbst zu wachsen, bekannte Muster und Traditionen in Frage zu stellen. Neben der persönlichen Bereicherung bringen diese Erfahrungen auch Vorteile bei der Jobsuche. Fünf Studierende, die auf unterschiedlichen Kontinenten unterwegs waren, sind unisono überzeugt: „Es zahlt sich wirklich aus!“

Lisa Schantl

In den USA werden StudienanfängerInnen von Anfang an ermutigt, ihre Meinung in den Lehrveranstaltungen kundzutun und dafür zu argumentieren. An der Montclair State University konnte ich auch endlich meine Leidenschaft fürs kreative Schreiben in Englisch ausleben. Besonders prägende Erfahrungen brachte das Reisen. Auf einer Busfahrt von New York nach Atlanta waren wir die einzigen mit weißer Hautfarbe. Es tat so gut, aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden und die Perspektive verändern zu müssen. Der multikulturelle Mix hat mich in meinen eigenen Vorstellungen um einiges weitergebracht. 

Jakob Ladenhauf

Die Kängurus, Wallabies und Emus neben der Straße, die ich in Australien beim Autofahren beobachten konnte, gehen mir immer noch ab. Das tollste Erlebnis war für mich ein Praktikum auf einer Wildlife-Farm. An habe ich mich in die Katastrophenforschung geworfen und stellte fest, dass ich dieses interessante Thema in Zukunft weiterverfolgen möchte. Persönlich habe ich von meinem Aufenthalt an der University of New England insofern profitiert, als ich wesentlich selbstsicherer geworden bin. Das Eintauchen in ein völlig neues Umfeld und der Erfolg dort haben mir gezeigt, dass ich mit unterschiedlichen Situationen besser zurechtkomme, als ich mir das zugetraut hatte.  

Elena Kirchberger

Mit dem Erasmus-Aufenthalt hat sich mir ein Lebenstraum erfüllt. Ich bin auf den Rollstuhl angewiesen und stark sehbehindert, was Vieles erschwert hat. Aber ich traf immer überaus motivierte und zuvorkommende Studierende, die mich zu Lehrveranstaltungen begleitet, teilweise dort unterstützt und wieder ins Studentenheim gebracht haben. Ich habe in Bologna die barrierefreie Infrastruktur Österreichs schätzen gelernt, in Italien steht aber die soziale Komponente im Vordergrund: Man trifft sich auf Augenhöhe und geht mit Behinderung offen um.

Maximilian Starlinger

Meine Zeit in Argentinien zeigte mir, wie gut wir es (derzeit noch) in Österreich haben. Das Leben dort ist nicht so einfach und gut organisiert wie bei uns. Die Einbindung in einen kulturell gemischten Freundeskreis hat mir sehr gut getan. Der Gemeinschaftsbegriff erhält eine völlig neue Bedeutung, wenn jedeR in der Gruppe eine andere Ansicht mitbringt. Das Leben auf einem anderen Kontinent, weit entfernt von Freundeskreis und Familie, trägt in meinen Augen viel zum Reifungsprozess eines jungen Erwachsenen bei. Rückblickend würde ich auch meinen, dass besonders Behördengänge viel dazu beigetragen haben, dass ich heute ein selbstständiger und kritischerer Mensch bin.

Evelyn Kulmer

Thailand ist ein Land der Kontraste – der bizarrste bestand für mich zwischen dem Image als Tourismusziel und den gesellschaftspolitischen Bedingungen. Die eingeschränkte Meinungs- und Pressefreiheit bekamen wir auch an der Thammasat University zu spüren. Die Konfrontation mit anderen gesellschaftlichen Regeln eröffnete mir neue Perspektiven und lässt mich unsere Normen hinterfragen. Das stärkt meiner Meinung nach auch Empathie und Solidarität. Die sprachlichen Grenzen waren für mich kaum zu überwinden. Ich musste also damit umgehen, als Fremde gesehen zu werden und nicht dazuzugehören.