1/2019
UNIZEIT
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Luft nach oben

Julia Dujmovits ist Snowboard-Olympiasiegerin und zweifache Vizeweltmeisterin. Nicht erst seit ihrem Karriere-Ende vergangenen März widmet sie sich dem Mentaltraining und Yoga. Im November 2018 referierte sie an der Universität Graz zum Thema Sporternährung.

Interview: Dagmar Eklaude


Was macht Ihrer Meinung nach eine Persönlichkeit aus?
Mit dieser Frage beschäftige ich mich schon sehr lange, derzeit auch in meiner Ausbildung zur Mentaltrainerin: Es ist wichtig, dass man sich selbst gut kennt. Im Leistungssport muss man über seine Stärken und Schwächen Bescheid wissen, besonders darüber, wie man in bestimmten Situationen reagiert. Das verbessert auch die Kommunikation mit anderen.

Wie sehr trägt der Sport zur Persönlichkeitsentwicklung bei?
Sehr! Egal, ob es um die letzten Hundertstel geht, die man im Rennen noch herausholen möchte, ob man Sieg, Niederlage oder eine Verletzung erlebt – in all diesen Situationen lernt man sich selbst kennen. Im Sport hat man diese Herausforderungen nahezu jeden Tag. Um sie zu meistern, arbeite ich an allem, was mir Kraft nimmt. Dann bin ich freier und kann die Energie ins Positive umleiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man ein Ziel haben muss, das man zu hundert Prozent und aus tiefstem Herzen verfolgt, dann richtet sich auch der Körper danach.

Welche Stationen in Ihrem Leben haben Sie geprägt?
Ich habe mit 13 mein gesamtes Team bei der Brandkatastrophe von Kaprun verloren. Nach diesem Erlebnis beim Sport zu bleiben, war besonders schwer. Eine nächste Schlüsselerfahrung war, verletzungsbedingt 2010 die Olympischen Spiele in Vancouver zu verpassen. Mir war klar, ich muss entweder mich selbst ändern oder meine Karriere beenden. Also bin ich im Sommer für drei Monate nach Maui gefahren und habe mich nur auf mich selbst und den Sport konzentriert. Das war der erste Schritt zu Olympiagold in Sotchi – nach den Enttäuschungen das andere Extrem.

Warum haben Sie dennoch vergangenes Jahr Ihrer Karriere beendet?
Das war ein sehr spontaner Entschluss, den ich aus dem Bauch heraus gefällt habe. Im Nachhinein gesehen war es aber eine wichtige Entscheidung für meinen Körper. Die gesamte Saison war zwar meine erfolgreichste, aber aufgrund der ständigen Knieschmerzen grenzwertig. Sportlich gesehen gab es nach Olympiagold und Podiumsplätzen in der WM nicht mehr sehr viel Luft nach oben. Die letzten Monate waren hingegen voller Herausforderungen, und ich liebe neue Herausforderungen.

Wie kann man „Persönlichkeit“ lernen?
Indem man in sich hineinschaut und Herausforderungen sucht. Dadurch, dass man Dinge macht, an denen man zweifelt oder vor denen man Angst hat.

Was sollten Universitäten dazu beitragen?
Es sollte neben einem einschlägigen Kursangebot die offene Kommunikation darüber geben, was wichtig ist, um sich Ziele zu setzen und diese zu erreichen. Das sollte generell in Lehrveranstaltungen bewusstgemacht werden.