1/2020
UNIZEIT
13/15
© Uni Graz/Konstantinov

Für Chiara Zuanni sind Exponate in einem Museum von großem Wert. Ihr Interesse liegt aber nicht etwa an der Schönheit des Objektes, sondern daran, was in Metadaten gespeichert ist. Darunter versteht man strukturierte beschreibende Informationen, die Umfassendes über KünstlerIn, Inhalte von Gemälden, Ort der Entstehung von Texten oder Gegenständen enthalten.
Nur ein kleiner Prozentsatz aller Ausstellungsstücke in Sammlungen weltweit sind digital erfasst, schätzt die Museologin, und ein noch geringerer wird mit begleitenden Metadaten veröffentlicht. Letztere sind notwendig, um Gegenstände digital miteinander vergleichen zu können. „Kennen wir möglichst viele Informationen von Objekten, können wir diese mit anderen in Bezug stellen und Paralellen finden“, erklärt Zuanni. Wichtig dabei ist, dass die Daten offen sind, damit sie von anderen auch bearbeitet und weiterverwendet werden können.
Seit 2018 forscht die gebürtige Italienerin am Zentrum für Informationsmodellierung – Austrian Center for Digital Humanities. Davor studierte sie Archäologie in Italien und promovierte in Museologie in Großbritannien. Ihr Hauptinteresse liegt in der Vermittlung von Wissen in Museen.

Virtual Reality
Heute lässt sich dank digitaler Methoden die Geschichten über Objekte auf interaktiver Art und Weise vermitteln. „Wo wir früher Audioguides hatten, können wir jetzt Apps verwenden“, sagt die Forscherin. Die Statue aus dem antiken Athen steht beispielsweise in Stein gemeißelt in einem Museum irgendwo in Europa. „Gewöhnlich betrachten wir Objekte im Ausstellungsraum. Wir können sie nicht anfassen, nicht bewegen und schon gar nicht im urprünglichen Kontext wahrnehmen“, sagt die Wissenschafterin. „Virtual“ oder „augmented reality“ erschafft diese Welten. „BesucherInnen versetzen sich dann mit einer VR-Brille in die jeweilige Zeit oder Epoche, in der das Kunstwerk entstanden ist.“

BesucherInnen sind AkteurInnen
 

Museen nutzen soziale Medien, um mit dem Publikum zu kommunizieren. Das Verständnis und die Verbesserung dieser Möglichkeiten sowie die Bewertung des Einflusses auf die BesucherInnen ist ein weiterer Forschungsbereich Zuannis. Menschen hinterlassen in sozialen Netzwerken Spuren. Und genau diese möchte sie sich zunutze machen. „Teilen Interessierte ihre Meinung oder Bilder von Ausstellungen über Postings, erhalten wir Feedback zu den Sammlungen.“
Die Erforschung der Interaktion über digitale Plattformen kann den Museen dabei helfen, bessere Kommunikationsstrategien zu entwickeln und partizipative Ansätze beim Aufbau und der Verbreitung von Wissen über das kulturelle Erbe zu nutzen.