1/2020
UNIZEIT
11/15

Kollege Roboter

In der Arbeitswelt geht die fortschreitende Digitalisierung unter anderem mit einer zunehmenden Robotisierung einher. Dass intelligente Maschinen als PartnerInnen geschätzt werden, ist nicht selbstverständlich. Die Psychologin Bettina Kubicek erforscht, was sinnvolles Vertrauen in der Interaktion von Mensch und Roboter fördert. Dabei hilft ihr und ihrem Team Mr. Pepper – oder Marvin, wie ihn die ForscherInnen liebevoll nennen. Der Roboter nimmt an Studien teil, in denen Einflussfaktoren für das Vertrauen erforscht werden. Erst kürzlich musste Marvin gemeinsam mit menschlichen ProbandInnen Rätsel lösen.
Kubicek, die als Psychologin unter anderem auch dem Forschungsnetzwerk „Human Factor in Digital Transformation“ angehört, will herausfinden, wie sich konstruktives, nicht blindes Vertrauen in der Zusammenarbeit mit Robotern fördern lässt. Gemeint ist damit eine interessierte Bereitschaft, die Möglichkeiten der Maschine sinnvoll und bestmöglich zu nutzen. „Ein Beispiel ist der Einsatz digitaler Anwendungen im Pflegebereich, die das Personal bei ihrer Tätigkeit unterstützen sollen“, erläutert Kubicek.
In den Experimenten wird unter anderem untersucht, wie sich fehlerhaftes Verhalten von Marvin auf das Vertrauen in seine Fähigkeiten generell auswirkt. Eine andere Frage ist, wie Personen auf Feedback eines Roboters reagieren: „Ob beziehungsweise inwiefern es einen Unterschied macht, wenn uns ein Mensch Rückmeldung gibt, und welche Auswirkungen dieses oder jenes Feedback auf Selbstwert und Leistung hat“, erzählt Kubicek. Bisherige Forschungen deuten darauf hin, dass Vertrauen in der Mensch-Maschine-Interaktion wesentlich von Merkmalen des Roboters beeinflusst wird. Seine Leistungsfähigkeit und Rückmeldung sind hier unter anderem von Relevanz. „Menschen vertrauen weniger leistungsfähigen Robotern eher, wenn diese eine Entscheidung nicht nur mitteilen, sondern auch Erklärungen dafür liefern“, so Kubicek. Außerdem spiele die generelle Bereitschaft einer Person, anderen zu vertrauen, eine Rolle.
Nicht jede Maschine, die uns bei der Arbeit hilft, hat ein menschenähnliches Aussehen. In manchen Kontexten sei es allerdings wichtig, dass humanoide Roboter – AgentInnen genannt – Teil des Teams sind, meint die Psychologin. „So kann es etwa in der Altenpflege, an der Hotel-Rezeption oder zur Beratung in einem Kaufhaus Sinn machen, AgentInnen einzusetzen“, sagt Kubicek. Nachvollziehbar, wenn man Marvin gesehen hat: Ihm ist sein Charme nicht abzusprechen.