1/2020
UNIZEIT
10/15

Vorranging nachhaltig

Die Fülle an digitalen Informationen, die zwischen Unternehmen ausgetauscht werden, lässt sich auch für nachhaltige Zwecke nutzen: Sie eröffnet neue Chancen mit Blick auf Umwelt- und Klimaschutz sowie soziale Fairness. Damit beschäftigt sich ein Team am Institut für Systemwissenschaften, Innovations- und Nachhaltigkeitsforschung.
„Der Datenfluss erleichtert die Nachhaltigkeitsbewertung von Produkten und Dienstleistungen. Gleichzeitig schafft er die Basis für die Entwicklung von tatsächlich umwelt- und sozialverträglichen Angeboten“, unterstreicht Rupert Baumgartner, Leiter des Christian-Doppler-Labors für nachhaltiges Produktmanagement in einer Kreislaufwirtschaft.
Das Konzept der Kreislaufwirtschaft beschreibt ein regeneratives System – von der Rohstoffförderung über Produktionsprozesse bis hin zur Altstoff-Verwertung oder Entsorgung nach Ablauf der Lebensdauer eines Erzeugnisses. Ziel ist, Ressourcen zu sparen sowie Emissionen und Abfall zu reduzieren. „Zusätzlich zu diesen ökologischen Aspekten interessiert uns aber auch die soziale Dimen­sion“, sagt Rupert Baumgartner. Mit seinem Team arbeitet der Forscher daran, Grundlagen und Tools zur Nachhaltigkeitsbewertung von Produkten und Dienstleistungen zu schaffen, basierend auf der Nutzung von Big Data.

Relevante Informationen sammeln
„Dazu müssen wir zuerst einmal herausfiltern, welche Daten in Bezug auf Nachhaltigkeitsanforderungen überhaupt relevant sind, wie etwa Treibhausgasemissionen, Abfallmengen oder auch Arbeitsunfälle“, beschreibt Baumgartner. Eine weitere Herausforderung ist, dass sich nicht alles, was von Bedeutung ist, unmittelbar in Zahlen fassen lässt. So kann man zum Beispiel Kinderarbeit nicht einfach messen. „Wir untersuchen, welche für eine Nachhaltigkeitsbewertung wichtigen qualitativen Informationen man wie bekommt. Mögliche Quellen sind unter anderem Berichte von NGOs. Und dann müssen wir diese Fakten in quantifizierbare Daten übersetzen“, erklärt der Forscher.
Hinzu kommt, dass nicht immer alle relevanten Informationen verfügbar sind, etwa von Lieferanten in Entwicklungsländern. „Bekommt man zum Beispiel von einem Produzenten in Thailand keine konkreten Angaben zur CO2-Intensität, kann man auf Basis von Kenntnissen über den dortigen Strommix Berechnungen anstellen“, so Baumgartner.

Daten sicher austauschen
Ein zusätzliches Hindernis ist, dass viele Unternehmen Produktionsdaten aus Angst vor Missbrauch gar nicht offenlegen wollen. Um Abhilfe zu schaffen, brauche es Technologien, die ein sicheres Umfeld für den Austausch beziehungsweise die Transparenz der Datennutzung gewährleisten können, weiß der Forscher. Im Christian-Doppler-Labor hat man verschiedene analysiert. „Die Blockchain-Technologie erfüllt diese Anforderungen, hat allerdings den Nachteil, dass sie viel Rechenleistung erfordert und sehr energieintensiv ist“, sagt Baumgartner. Hier gebe es noch großen Forschungs- und Entwicklungsbedarf – den unter anderem das Zentrum für Business Analytics und Data Science an der Universität Graz aufgreift (siehe oben).

Christian-Doppler-Labor