„Die persönliche Lebenserfahrung bestimmt unsere politischen Einstellungen mit. Gerade die junge Generation hat – glücklicherweise – keine Zeiten ohne funktionierende Demokratie erlebt, und auch Erzählungen aus der Familie sind sehr selten geworden“, analysiert Katrin Praprotnik, Projektleiterin des Austrian Democracy Labs von der Universität Graz, das Ergebnis des Demokratieradar.
Wenig Interesse bei Jungen
Menschen unter 30 geben deutlich häufiger an, sich nicht für die Politik in Österreich zu interessieren. Dementsprechend nutzen sie auch seltener Medien, um sich über die innenpolitischen Ereignisse zu informieren. Das schließt allerdings ein generelles Engagement für die Gesellschaft keinesfalls aus, wie Praprotnik bestätigt: „Dass sich Klimaschützer:innen auf der Straße festkleben oder Hörsäle besetzen, ist grundsätzlich ein gutes Zeichen für die Demokratie. Sie sind also nicht apathisch, und Demonstrieren ist ein verbrieftes Recht.“
Sinkende Zufriedenheit
Nur mehr 58 Prozent sind der Meinung, dass die Demokratie „sehr gut“ oder „eher gut“ funktioniert. Vor einem halben Jahr lag dieser Wert bei 61 Prozent, zu Beginn des Demokratieradars im Frühjahr/Sommer 2018 noch bei 77 Prozent. Diese Unzufriedenheit mit dem Funktionieren der Demokratie äußert sich auch in einem mehrheitlichen Wunsch, das politische System grundlegend umzubauen: 63 Prozent der befragten Personen sind dafür.
Über das Demokratieradar
Für die Studie befragt das Team des Austrian Democracy Lab zweimal jährlich rund 4.500 Personen ab 14 Jahren in Österreich. Soeben wurden die Ergebnisse der 10. Welle publiziert. Auf Basis der Antworten werden Vorschläge für die Weiterentwicklung der Demokratie ausgearbeitet.
von Dagmar Eklaude