Geduld und Gastfreundschaft
In Indonesien ist das Lehrsystem sehr hierarchisch, was sich in einer respektvollen Distanz zwischen Professor:innen und Studierenden äußert. Um dies zu überwinden, habe ich versucht, den Unterricht interaktiver zu gestalten, indem ich Diskussionen und Gruppenarbeiten förderte. Indonesische Studierende sind oft zurückhaltender als österreichische, weshalb kritisches Denken und aktive Teilnahme besonders angeregt werden müssen. Dies gelingt, wenn man versucht, eine freundliche und offene Atmosphäre zu schaffen, und gezielte Fragen stellt.
Direkte Kritik oder Konfrontationen sind unüblich. Daher ist es wichtig, sehr vorsichtig und respektvoll Feedback zu geben. Die muslimische Kultur im Westen der Insel Java legt überhaupt großen Wert auf Respekt und Freundlichkeit, was sich auch in der Kommunikation und im alltäglichen Verhalten widerspiegelt. Das betrifft Kleidung, Höflichkeitsformen und den Umgang mit Kolleg:innen, aber auch die Teamarbeit in den Lehrveranstaltungen. Die akademische Kultur an der UNPAD ist stark beziehungsbasiert. Ich habe die Gelegenheit genutzt, mich in Besprechungen und gemeinsamen Mittagessen mit Kolleg:innen zu vernetzen. Durch die außergewöhnliche Gastfreundschaft wurde dies maßgeblich erleichtert.
Eine echte Geduldsprobe war hingegen das Pendeln. Der Hauptcampus der UNPAD liegt in Jatinangor, etwa 20 Kilometer von Bandung entfernt, was aufgrund des starken Verkehrs und mangelnder öffentlicher Infrastruktur lange Fahrzeiten mit sich bringt. Auch wenn der Campus modern ist, entspricht die Ausstattung nicht unbedingt den Standards, die wir in Österreich gewohnt sind. Die Internetverbindung ist teilweise unzuverlässig, und technische Hilfsmittel funktionieren nicht immer reibungslos. In solchen Fällen hilft Flexibilität in der Lehre.
Trotz der manchmal herausfordernden Rahmenbedingungen und der fremden Kultur war der Lehraufenthalt für mich ein Erfolg. Der Austausch mit den Kolleg:innen und Studierenden ist eine wertvolle Erfahrung, die sowohl meine berufliche als auch persönliche Perspektive erweitert hat.
Christian Hirt
Nachhaltig trotz Fußabdruck
Was halten meine Studierenden davon, dass ich von Wien nach Neu Delhi geflogen bin, um ihnen eine Woche lang etwas über nachhaltige und kreislauffähige Produkte zu erzählen? Diese Frage stelle ich in meiner ersten Lehrveranstaltung. Ich könne überlegen, ob ich mit einer Online-Vorlesung ein vergleichbares Ergebnis erreicht hätte, schlägt eine Teilnehmerin vor.
50 Studierende sind in meiner Vorlesung zum Thema Ökobilanzierung und Recycling von Batterien anwesend. Da sie sich sehr gut mit dem politischen System in Indien auskennen, kann ich auch viel von ihnen lernen, zum Beispiel über die Strategien zur Reduktion von Wasser- und Luftverschmutzung. Ein Student zitiert die ehemalige Premierministerin Indiens mit den Worten „poor pollutes“. Für mich ist das interessant, weil in Europa eher höherer Wohlstand mit Ressourcenverbrauch und ökologischem Fußabdruck in Verbindung gebracht wird.
Die TERI SAS hat zirka 800 Studierende überwiegend auf Master-Level und bietet Studiengänge zur nachhaltigen Entwicklung an. Die Themen sind ähnlich wie an unserem Institut für Umweltsystemwissenschaften, jedoch noch etwas breiter gefasst und beinhaltet insbesondere auch saubere Luft und sauberes Wasser. Ich wurde sehr herzlich aufgenommen, bekam ein eigenes Arbeitszimmer, und die Kolleg:innen nehmen sich Zeit für gemeinsame Gespräche zum Austausch über Forschung sowie die Partnerschaft mit der Uni Graz.
Ich wohne in einem Gästehaus der TERI, gleich über die Straße. Es ist eine „Premium neighbourhood“, wie mir mein indischer Kollege erklärt. Trotzdem sehe ich die Schattenseiten: Es liegt viel Plastikmüll auf der Straße, es gibt nur wenige Gehsteige, die Anzahl an Fahrzeugen ist überwältigend. Trotzdem findet das Leben draußen statt und man braucht keine Angst vor Kriminalität zu haben. Ich genieße den Einblick in Leben und Kultur in Nordindien, das Treiben der Stadt, die Internationalität.
Ist so ein Austausch förderlich, um die ➡ Ziele zur nachhaltigen Entwicklung der Vereinten Nationen zu erreichen, oder – wenn man die Klimabilanz betrachtet – sogar negativ? Für mich war der Aufenthalt jedenfalls eine unglaublich aufregende und inspirierende Erfahrung. Direkt vor Ort ist es leichter, die Perspektive der Menschen zu verstehen und voneinander zu lernen. Dafür muss man auch einmal einen Kompromiss eingehen.
Julius Ott
Bittersüßer Luxus
Duke University is located in Durham, a city with slightly fewer than 300,000 inhabitants – similar in size to Graz. The Durham-Raleigh-Chapel Hill area is known as the Research Triangle due to the proximity of three major universities, along with numerous startups, nonprofits, and research companies focused on life sciences. Duke is a private university, ranked 6th out of 436 national universities. It is evident that it is well-funded: boasting extensive sports fields, wellness and health centers, 34 on-campus dining locations, free transportation within the campus, and one of the most beautiful college campuses in the USA. The student community there seems very strong, with students actively taking the initiative and organising events like beer hours, coffee and donut mornings, and hot chocolate gatherings during the holiday season – all generously sponsored by the university. I couldn’t help but envy Duke students for having access to such exceptional infrastructure. The university provides everything one could need to fully immerse in student life and academics. However, all this comes at a steep cost. Admission requires not only outstanding academic and extracurricular achievements (the acceptance rate is approximately seven per cent) but also significant financial resources – the cost of attendance can be as high as $ 87,000 per year.
This was a bittersweet reality. Stepping outside the Duke campus, one is confronted with the stark social inequalities in the country. As Duke does not provide housing for short-term visiting scholars, finding affordable accommodation in Durham was quite challenging. More broadly, I was struck by the high cost of living in the USA, with basic services and food products often unaffordable for many. Having lived in Poland, Finland, Portugal, and now Austria, I had never seen as many people in extreme poverty as I did in the USA.
In general, my experience at Duke University and in ➡ Lucia Strader’s lab was incredibly enriching. I gained new perspectives, started new collaborations, learned a lot, and had a great time meeting new people. I also embraced certain aspects of the American mindset – one that leans toward optimism and the belief in possibilities. I try to carry that perspective with me, along with the openness and kindness I experienced from so many people over there.
Alicja Górska