Eine zunehmend wichtige Gruppe an Arbeitnehmer:innen sind ältere Menschen. Doch diese ist bei weitem nicht so homogen, wie man glauben möchte. Ulla Kriebernegg, Alterns- und Care-Forscherin, räumt mit Klischees auf. Wir grenzen uns gerne ab. Denn dadurch verstehen wir besser, wer wir sind. Kategorien dafür sind zum Beispiel Geschlecht oder Ethnie. Eine Sonderform ist das Alter, denn: „Da wachsen wir alle hinein“, formuliert Kriebernegg. Es kann deshalb auch einend wirken, zum Beispiel in der Berufswelt. Teams mit Personen unterschiedlichen Alters schaffen mehr Perspektiven. Dass wir aber oft auch mit einem mulmigen Gefühl die Lebensjahre zählen, hängt damit zusammen, dass unsere Gesellschaft Jungsein als Norm betrachtet. „Jugendlichkeit geht einher mit Fitness, Leistung, gutem Aussehen, Spontaneität, Flexibilität. Das Alter wird dagegen assoziiert mit geistigem und körperlichem Abbau, Starre, Langweile.“ Beides entspricht nicht den Lebensrealitäten, die die Forscherin beobachtet. „20-Jährige können träge sein, 70-Jährige abenteuerlustig. Wenn man einen Menschen nach der Anzahl der Geburtstage einteilt, überschätzt man die Kategorie Alter in deren Wichtigkeit“, so Kriebernegg. Viel entscheidender für die Selbst- und Fremdwahrnehmung sind Persönlichkeit, Vorlieben und Angewohnheiten – und diese sind unabhängig von Lebensjahren. „Natürlich schwanken Leistungskurven, wenn wir älter werden. Aber Belastbarkeit sollte nicht das wichtigste oder einzige Beurteilungskriterium eines Menschen sein. Sondern Beziehungen, Erfahrungsschatz, Lebensglück“, fasst Kriebernegg zusammen.