Ist die künstliche Intelligenz eine Revolution in der Technik?
Ja, zumindest ist sie eine neue Technologie, die sehr disruptiv wirkt, ähnlich wie die Einführung des Computers. Dass sie von Daten lernen kann, wird schon einiges umwerfen.
Was bringt uns diese Entwicklung?
Ich schätze, dass die künstliche Intelligenz vor allem in Industriebetrieben die Produktivität erhöht. Da gibt es schon Studien für unterschiedliche Branchen. Im Bereich Klimaschutz und Energie wird sie auch großen Einfluss haben. Sie kann Klimamodelle verbessern, verhindern, dass Häuser geheizt werden, während die Fenster geöffnet sind, und vor allem über sogenannte Smart Grids den Strom aus erneuerbaren Quellen besser verteilen. Das beugt Blackouts vor. Und natürlich treffen wir alle in Arbeit und Freizeit auf KI-Methoden – die Spracherkennung am Smartphone zum Beispiel.
Sehen Sie Grenzen für Anwendungen?
Wir werden in absehbarer Zeit keine Roboter haben, die ein Kinderzimmer aufräumen. Unsere Kinder tun das vielleicht auch nicht, wären aber theoretisch dazu imstande. Die KI hat weit weniger Weltverständnis als wir und wird daher Entscheidungen nicht so gut treffen. Beim Autofahren zum Beispiel ist mir klar, dass ich ein herumwehendes Plastiksackerl auf der Fahrbahn gefahrlos überfahren kann, einen Felsbrocken aber nicht. Autonome Systeme können das nicht unterscheiden. Ich weiß, dass ich mit dem Fahrzeug nicht über eine Böschung kugeln sollte, auch wenn ich das noch nie ausprobiert habe. KI kann zwar sehr viel lernen, aber nicht auf Situationen reagieren, die komplett neu sind.
Wie gut ist die Forschung an den heimischen Universitäten im internationalen Vergleich?
Ich habe damals das ➡ LSTM erfunden, das vor GPT die Technologie für die Large Language Models war. Wir haben viele Sachen hier in Europa entwickelt. Umgesetzt haben es die Amerikanerinnen oder Chinesen. Österreich, Deutschland und Frankreich haben sich sehr stark auf die klassische KI konzentriert, auf Experten-Systeme, Knowledge Bases und so weiter. Was ein bisschen vernachlässigt wurde, ist das Deep Learning – diese neuronalen Netzwerke, die jetzt in aller Munde sind. Mittlerweile gibt es immer mehr Professuren für den Bereich, da kann man noch aufholen. In der Ausbildung tut sich ebenfalls viel, hier in Linz bieten wir ein KI-Studium an.
Brauchen wir in jedem Studium KI-Basiswissen?
Man wird überall mit KI in Berührung kommen, und deswegen sollte auch jede und jeder ein bisschen KI können. Zumindest muss ich verstehen, wofür ich sie einsetze, wofür sie gut oder schlecht ist. Genauso, wie ich einen Computer oder ein Handy verwende. Vor allem die Wissenschaft wird sehr viel mit künstlicher Intelligenz zu tun haben.
Wir beobachten ja seit Jahren eine große Wissenschaftsskepsis. Viele Menschen scheinen sich auch vor KI zu fürchten. Sehen Sie da einen Zusammenhang und haben Sie eine Erklärung dafür?
Ja, da gibt es mehrere Aspekte dazu. Hollywood-Streifen wie Terminator oder Matrix zeigen Maschinen, die klug sind und Menschen verfolgen oder versklaven. Dort wird KI sehr negativ konnotiert. Jetzt bauen wir tatsächlich so etwas, niemand weiß, wie das genau funktioniert, man hat aber in den Filmen gesehen, dass das böse ist. Mit diesem Problem kämpfen wir. Die andere Sache ist, dass uns künstliche Intelligenz die letzte humane Domäne wegnimmt. Maschinen können schwerere Sachen heben, sich schneller fortbewegen, rascher rechnen als wir. Jetzt kommen auch noch solche, die beim Denken besser und beim Komponieren kreativer sind. Das ist eine schwere Kränkung der Menschheit. Dann ist da natürlich noch die Angst, dass die KI uns die Arbeit raubt. Jede Technologie verändert etwas, schafft aber wieder neue Jobs. Die Einführung des Computers hat letztendlich mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet. Eigentlich sollte man sich darauf freuen, dass wir Methoden haben, um Krebs besser in den Griff zu bekommen, das Gesundheitswesen effizienter zu machen oder Menschen ohne Technik- und Fremdsprachenkenntnisse den Zugang zum Internet und zu Informationen zu verschaffen.
Sehen Sie es als Aufgabe der Universitäten, diesbezüglich aufzuklären und Skepsis zu nehmen?
Ja, absolut. Wir müssen erklären, was die KI kann, aber gleichzeitig auf die Gefahren hinweisen. Die sehe ich vor allem in den Bubbles, die sie schafft, beim Filtern von Nachrichten zum Beispiel. Da bekomme ich nur mehr angezeigt, was ich lesen möchte, und so meine Vorurteile bestätigt. Ich fürchte auch, dass soziale Medien von KI-Messages überschwemmt werden und das Wahlverhalten ganzer Bevölkerungsgruppen beeinflusst wird. Jede Technik kann zu etwas Gutem oder zu etwas Bösem eingesetzt werden. Ich sehe trotzdem sehr, sehr viele Chancen.