3/2019
UNIZEIT
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© shutterstock.com/Thammanoon Khamchalee

Global gerecht

Betreffen uns die Dürren im Nahen Osten oder die Überflutungen in Mosambik? Sollen wir Menschen aus Afrika aufnehmen, die bei uns „nur“ ein besseres Leben suchen? Immerhin beeinflusst unser Reichtum die Umweltbedingungen in den ärmsten Ländern. Wie wir dafür Verantwortung übernehmen sollten, untersuchen KlimaforscherInnen der Universität Graz.

von Dagmar Eklaude


Ein Drittel der Weltbevölkerung ist von der Landwirtschaft abhängig und damit besonders stark von
Witterungskapriolen betroffen. Ausbleibender Monsun, versalzte Böden oder Überschwemmungen rauben den Menschen oftmals die Existenz. Der Klimawandel lässt zudem Lebensräume rund um den Globus verschwinden. Durch den Anstieg des Meeresspiegels werden kleine Pazifikinseln wie Kiribati und Tuvalu in absehbarer Zeit buchstäblich untergegangen sein. Auch große Flussdeltas – wie jene des Nil, des Ganges oder des Mekong – sind bedroht. „Steigt das Mittelmeer um 50 Zentimeter an, betrifft das in Ägypten 3,8 Millionen Menschen“, führt Carolin-Anna Trieb aus. Sie schreibt am Wegener Center der Universität Graz ihre Masterarbeit zum Thema Auswirkungen des Klimawandels auf Dürre und Abwanderung in Afrika.

«Es ist längst erwiesen, dass die globale Erwärmung vom Menschen mitverursacht ist und zu immer häufigeren Extremwetterereignissen führt»

schildert Trieb. Es sind also unsere CO2-Emissionen, die auf gefährdete Regionen besonders gravierende Auswirkungen haben und in absehbarer Zukunft Millionen von Menschen die Existenzgrundlage rauben werden. Wird das Land unfruchtbar, drängt die Bevölkerung in die Städte. Spannungen aufgrund wachsender Armut und fehlender Jobs sind vorprogrammiert. Gleichzeitig können sich Streitigkeiten um Wasser oder schwindende gewinnbringende Äcker zu Konflikten auswachsen. „Die Erderwärmung alleine treibt noch niemanden in die Flucht“, betont die Jungwissenschafterin. „Aber sie wirkt sich auf das soziale und wirtschaftliche Gefüge aus und befeuert unter Umständen politische Krisen. All diese Faktoren können sehr wohl Migrationsbewegungen auslösen“, so Trieb. 
Üblicherweise suchen sich jene, die aufgrund von Umweltbedingungen abwandern müssen, eine neue Bleibe im selben oder in einem angrenzenden Land und sind auch bereit, wieder in die ursprüngliche Heimat zurückzukehren, sobald das möglich ist. In Gegenden, wo sich die Wüste ausbreitet, Böden und Trinkwasser versalzen oder der Meeresspiegel ansteigt, fällt diese Option allerdings weg. Kleinere Pazifikinseln oder die Flussdeltas von Nil, Ganges und Mekong sind davon besonders bedroht. Durch Naturkatastrophen oder klimatische Veränderungen Vertriebene finden dennoch keinen Schutz im Rahmen der Genfer Flüchtlingskonvention. „Eine rasche und tiefgreifende Verminderung von Treibhausgasemissionen ist und bleibt die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um den Migrationsdruck auf einzelne Regionen und Länder langfristig zu mildern“, unterstreicht die Wissenschafterin.

Fair verschmutzen
Die Industrienationen produzierten und produzieren einen Großteil jener Treibhausgasemissionen, unter denen die Ärmsten der Welt besonders leiden. „Wer für die nötigen Anpassungen die Kosten tragen soll, ist allerdings nach wie vor offen“, stellt Lukas Meyer fest. Der Philosoph forscht zur Klimagerechtigkeit und plädiert dafür, dass die einzelnen Staaten nach Regelungen suchen, um Betroffene zu entschädigen. Gemeinsam mit Gottfried Kirchengast, Keith Williges und Karl Steininger untersucht er in einer Forschungsarbeit, wie Emissionsrechte künftig neu verteilt werden sollten. 

«Dabei muss Fairness ein wichtiger Faktor sein»

so der Wissenschafter. Es gilt historische Emissionen und aktuelle wirtschaftliche Kapazitäten zu berücksichtigen, aber auch innerhalb realistischer Reduktionsgeschwindigkeiten zu bleiben.

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