3/2019
UNIZEIT
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© Uni Graz/Kernasenko

Hotspot der Klimaforschung

Die Diskussion über den Klimawandel ist häufig geprägt von Emotionen, Vorurteilen und ideologischen Gräben. Die seriöse Wissenschaft hingegen ist sich einig: Die von uns Menschen verursachten Treibhausgasemissionen leisten den weitaus größten Beitrag zum weltweiten Temperaturanstieg. Gottfried Kirchengast ist einer von über hundert ForscherInnen, die an der Universität Graz den Klimawandel sowie Wege zu einer nahezu emissionsfreien Gesellschaft untersuchen.

von Gudrun Pichler


«Nur wenn es uns gelingt, unsere fossilen Emissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts um über 90 Prozent zu senken, können wir die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius beschränken»,

weiß der Klimaphysiker Gottfried Kirchengast. Er ist einer der international führenden WissenschafterInnen in seinem Fachgebiet und mit dem Philosophen Lukas Meyer Sprecher von „Climate Change Graz“. So nennt sich der Forschungsbereich, der das Profil der Universität Graz wesentlich mitprägt. Über hundert ExpertInnen aus verschiedenen Fachrichtungen forschen hier zum Klimawandel und erarbeiten gemeinsam wirksame sowie ethisch vertretbare Strategien zur Bewältigung seiner Folgen und zum Emissionsabbau. Damit machen sie die Universität Graz zu einem international beachteten Hotspot interdisziplinärer Klimaforschung. Wie gelingt uns die Transformation zu einer nahezu emissionsfreien und klimarobusten Wirtschaft und Gesellschaft? Diese Frage ist es, die sie antreibt.

«Gemeinsam schaffen wir die wissenschaftlich fundierten Grundlagen für die ökonomischen, produktionstechnischen, sozialen, politischen und rechtlichen Veränderungen, die für eine nachhaltige Transformation notwendig sind»

sagt Kirchengast. 

Die Expertise der Universität Graz in der Klimaforschung ist über Jahrzehnte gewachsen. Einen starken Impuls setzte 2005 die Gründung des Wegener Center für Klima und Globalen Wandel, an dessen Aufbau Kirchengast federführend beteiligt war. 

«Ziel war, ForscherInnen aus unterschiedlichen Wissenschaftszweigen unter einem Dach zusammenzuführen. Denn so komplexe Fragen, wie sie der Klimawandel an uns stellt, lassen sich nur in enger, interdisziplinärer Kooperation beantworten»,

unterstreicht Kirchengast, der das Center seit seiner Gründung bis vor Kurzem geleitet hat.
Neben fächerübergreifender Zusammenarbeit und wissenschaftlicher Exzellenz zeichnet internationale Vernetzung den Profilbereich „Climate Change Graz“ aus. Eines der vielen Beispiele dafür ist die Mitarbeit der ForscherInnen Lukas Meyer, Birgit Bednar-Friedl und Douglas Maraun am Weltklimabericht des IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change).
Mit Blick in die Zukunft wird die Expertise auch an die nächste Generation weitergegeben. In dem vom Österreichischen Wissenschaftsfonds FWF geförderten interdisziplinären Doktoratskolleg (DK) „Climate Change“, dessen Sprecher Lukas Meyer ist, forschen über 20 NachwuchswissenschafterInnen aus elf Ländern zum Klimawandel und erhalten dabei eine hervorragende Ausbildung. Gleichzeitig bekommt der Profilbereich neue Impulse von den internationalen TeilnehmerInnen des DK.


Verbrauch die Hälfte
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