3/2019
UNIZEIT
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© IV-Steiermark/Kanizaj

Teil der Lösung

Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung Steiermark, über Technologien zum Klimaschutz, die Rolle der Forschung und die Macht der KonsumentInnen.

Interview: Dagmar Eklaude


Die Industrie wird häufig als große Klimasünderin angesehen. Was entgegnen Sie diesem Vorwurf?
Zum Glück setzt sich die Erkenntnis, dass die Industrie nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung ist, immer mehr durch. Die österreichische Industrie leistet wichtige Beiträge, um das globale Phänomen der Erderwärmung zu bekämpfen: Gerade die heimischen Unternehmen sind Vorreiter in der Entwicklung von Technologien, die eine CO2-reduzierte Produktion ermöglichen. So liegen beispielsweise die Emissionen in der Herstellung einer Tonne Zement bei rund der Hälfte des internationalen Durchschnitts. Das heißt, dass wir über Know-how verfügen, bei dessen globaler Anwendung auch ein weltweiter positiver Klima-Impact entstehen kann. 

Was erwarten Sie von der Wissenschaft?
Wir haben in Österreich und Europa eine Lebensqualität erreicht, die Generationen vor uns wohl für unrealistisch gehalten hätten – gleichzeitig steht die Welt vor einer Reihe von Herausforderungen. Diese zu meistern und dabei möglichst vielen Menschen nachhaltigen Wohlstand zu ermöglichen, ist wohl die zentralste Frage, an der wir gemeinsam zu arbeiten haben. Nachhaltigkeit müssen wir dabei stets in seinen drei Dimensionen denken: ökologisch, sozial und auch ökonomisch.

In welchen Bereichen könnten Sie sich eine engere Zusammenarbeit mit der Universität vorstellen?
Das Kooperationspotential ist groß und wird bereits intensiv genutzt. Über die naturwissenschaftlichen, die rechtswissenschaftlichen und die wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Themen hinaus wird eine umfassende Interdisziplinarität ein immer wichtigerer Zugang für viele Fragestellungen.

ForscherInnen fordern eine radikale Reduktion der CO2-Emissionen. Wie realistisch sehen Sie das?
Österreich ist aktuell für knapp 0,2 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, Tendenz sinkend. Wollen wir einen global wirksamen Beitrag leisten, sollte unser Selbstverständnis jenes der ForscherInnen und in weiterer Folge der HerstellerInnen von Technologien sein, die weltweit zum Einsatz kommen. Erleichtert würde uns dieses Vorhaben, wenn die Strafzahlungen der CO2-emittierenden Unternehmen nicht in den regulären öffentlichen Haushalt fließen, sondern die Unternehmen diese Gelder in die Forschung und Entwicklung zur weiteren Reduktion von Treibhausgas investieren könnten.

Es wird immer wieder diskutiert, wo der Staat in Sachen Klimaschutz regelnd eingreifen soll, welcher Einfluss von den KonsumentInnen ausgeht und was die Wirtschaft von sich aus vorgeben soll. Wie abhängig sind Sie von den KundInnen und wo könnten Sie neue Wege beschreiten?
Es ist immer leicht, die Lösungen von anderen einzufordern. In Wahrheit werden wir aber alle unseren Beitrag leisten müssen. Weniger Emotion und mehr Fakten wären manchmal hilfreich. Hausbrand, Flugreisen, Streaming, Verkehr, Industrie – letztlich sind das ja auch Bereiche, die wir alle gestalten. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Macht der KonsumentInnen enorm ist. Auf eine Klima-Demo zu gehen und am Heimweg im Supermarkt Erdbeeren aus Ägypten zu kaufen, ist wenig konsequent.

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