Was meinen Sie aus der Perspektive eines Unternehmers und eines Lehrenden: Wie bleiben wir Menschen smart?
Ich glaube, der zentrale Punkt ist lebenslanges Lernen. Es darf nicht nach der Schule oder Uni Schluss sein damit, da sich die Technologie so schnell verändert. Wir müssen uns ständig weiterbilden, Neuerungen aufsaugen und damit umgehen können, um nicht den Anschluss zu verlieren. So bleiben wir hoffentlich smart.
Wie tragen Sie dazu bei, dass die Welt smarter wird?
Wir sind im Bereich der künstlichen Intelligenz tätig. Unser Kernprodukt sind Company-GPTs, die in Unternehmen oder Organisationen große Mengen an Wissen, das in Form von Daten unstrukturiert und schwer auffindbar gelagert ist, rasch verfügbar machen. Das spart viele Stunden Arbeit. Als Berater vermittle ich auch AI Literacy: Wie funktioniert die Technologie, wie kann ich damit effizienter, produktiver werden? Als Universitätslektor führe ich Studierende in die Welt der künstlichen Intelligenz ein. In der künftigen Arbeitswelt werden diejenigen, die KI einsetzen können, einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben. Mein Sohn ist jetzt sechs Jahre alt und lässt sich schon von ChatGPT eine kleine Schnitzeljagd zusammenstellen.
Hat Sie Ihre Ausbildung gut auf das Berufsleben vorbereitet?
Das Studium, auf der Fachhochschule wie an der Universität, ist eine gute Basis. Man lernt, Dinge kritisch zu hinterfragen. Das ist extrem wichtig in der heutigen Zeit, gerade, wenn man mit KI interagiert. Das andere ist natürlich die Erfahrung, die mich vorangebracht hat, auch die Erfahrung aus Fehlschlägen. Die gebe ich jetzt sehr gerne weiter.
Sind Sie deshalb Lehrender geworden?
Wenn das mein Klassenvorstand aus der HTL erfährt, wird er die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil ich war nicht unbedingt ein guter Schüler. Aber ja, als Führungskraft und agiler Coach habe ich bemerkt, dass ich wahnsinnig gerne mit Leuten arbeite und Wissen weitergebe, in Schulen und an Universitäten. Ich habe selbst sehr viele Fehler gemacht, die können sich andere ersparen. Man muss ja das Rad nicht neu erfinden.
Haben Sie eine Botschaft, die Sie Schüler:innen und Studierenden unbedingt vermitteln möchten?
Ja, ich habe eine zentrale Botschaft, die auch ich mitbekommen habe. Das Wichtigste im Leben ist, Dinge kritisch zu betrachten und nichts hinzunehmen, wie es ist. Das kann ich eben nur, wenn ich ausreichendes Wissen habe. Das heißt, ich kann einen englischen Text nur dann überprüfen, wenn ich Englisch spreche. Wir müssen also auch in Zukunft Fremdsprachen lernen, obwohl es Übersetzungstools gibt. Ich glaube, dieses Validieren, dieses Hinterfragen, die Resultate zu verstehen, um mit der KI zusammenzuarbeiten, ist eine Fähigkeit, die wir uns erhalten müssen.
Wie gut schafft es die Universität Graz, eine Brücke in die Wirtschaft zu bauen?
Ehrlich gesagt, ist das institutsabhängig. Die Universität selbst hat schon vor fünf Jahren eines der ersten Chatbot-Systeme eingeführt. Das Team des ➡ IDea_Lab ist extrem innovativ. Das ➡ Business Analytics and Data Science Center oder das ➡ Entrepreneurship-Institut leben den Praxisbezug. Es gibt aber einige, die sich dem verwehren und im eigenen Saft kochen.
Welche Skills braucht man heute als Uni-Absolvent oder -Absolventin?
Das klassische Wissen ist nach wie vor gefragt. Fachliche Grundlagen sind wichtig. Auf der anderen Seite benötigen wir Soft Skills. Die soziale Interaktion kann man in Projektarbeiten gut fördern. In der Arbeitswelt werden interdisziplinäre Teams immer wichtiger. Und natürlich müssen künstliche Intelligenz und Co. in den Unterricht einfließen.
Was könnten die Universitäten noch besser machen?
Ich glaube, wir brauchen noch alle ein bisschen mehr Mut: Studierende, damit sie sich trauen, Business-Ideen umzusetzen, Bedienstete oder Betriebe, damit wir öfter Neues ausprobieren. Die Universitäten könnten sicher mehr mit Unternehmen zusammenarbeiten, ohne die Grundlagenforschung zu vernachlässigen. Dieser Schritt, stärker in die Praxis und in Richtung Verwertung zu gehen, wäre wichtig.