Wie packen wir's an?
4/2025
11/12

Es wird wieder

Firmenpleiten, Sparpakete, Inflation: Die ökonomische Situation im Land erscheint schon lange nicht mehr rosig. Betriebswirt Robert Rybnicek analysiert die Lage aus wissenschaftlicher Sicht und zeichnet Wege aus dem Tief vor.

Interview: Dagmar Eklaude

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Österreichs Wirtschaft schwächelt seit drei Jahren. In der Industrie ist die Stimmung besonders schlecht, einer Kündigungswelle folgt die nächste. Ist die Lage so trist, wie sie erscheint?

Europa hat die Innovationsführerschaft in vielen Kernindustrien verloren, insbesondere in jenen, die unsere Zukunft prägen werden. Andere Wirtschaftsregionen haben uns hier leider überholt. Dazu kommen hohe Staatsschulden und eine Inflation, die zuletzt weit über den Zielwerten lag. Die schlechte Stimmung kommt also nicht von irgendwo. Wirtschaftliches Handeln ist allerdings selten ein kontinuierlicher Weg bergauf. Krisen liegen in der Natur der Sache. Wenn wir etwas Neues erschaffen, müssen wir auch akzeptieren, dass etwas Altes entwertet oder zunichtegemacht wird. Schumpeter hat das als „schöpferische Zerstörung“ bezeichnet. Diesen Umbruch spüren wir derzeit.

Wie kommen wir aus dieser Krise heraus?

Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die Innovationen fördern. Diese sind die tatsächlichen Treiber unserer Wirtschaft. Durch Innovationen entstehen neue Produkte, neue Player:innen und neue Märkte – also Wachstum. Im internationalen Wettbewerb werden wir langfristig nur bestehen können, wenn wir wieder zu den fortschrittlichsten Kräften gehören.

Braucht es immer Wachstum für den Wohlstand?

Ja, Wachstum ist notwendig. Wer gibt sich schon mit der Aussicht zufrieden, dass es nicht mehr besser werden kann? Das heißt nicht, dass wir unserem Planeten dauerhaft mehr Ressourcen entziehen sollen, als dieser reproduzieren kann. Das wird auf lange Sicht nicht gut gehen. Aber, wie gesagt, unsere Wirtschaft wird von Innovationen getrieben. Und für gute Ideen sehe ich keine Grenzen. Es wird auch in Zukunft immer neue Technologien geben und damit viel Wachstumspotenzial.

Ist es ratsam, in Zeiten wie diesen eine Firma zu gründen?

Wenn sich technologische, ökonomische oder soziale Rahmenbedingungen ändern, ist das eine hervorragende Chance für junge Unternehmen, um sich mit neuen Lösungen am Markt zu etablieren. Durch KI, Inflation, Zölle, eine alternde Gesellschaft, den Klimawandel, politische Auseinandersetzungen ist derzeit sehr viel im Wandel, und das in einem rasenden Tempo. Das bereitet uns existenzielle Ängste, aber man kann auch eine Welt voller Chancen sehen. Also ja, warum sollte man heutzutage kein Unternehmen gründen?

Wie stellt man vorab fest, ob eine Geschäftsidee zukunftsfähig ist?

Eine gute Idee alleine ist noch lange kein Erfolgsgarant. Es geht um die Menschen, die dahinterstehen, und um ihre Fähigkeiten, um das richtige Timing und natürlich um das Marktumfeld, in dem wir uns bewegen. Zu guter Letzt müssen die Kundinnen und Kunden tatsächlich bereit sein, Geld auszugeben, um ein gewisses Bedürfnis zu befriedigen. Nur dann kann aus einem Einfall auch ein Business werden.

Apropos Business: Wie werden Studierende an der Universität Graz auf das Unternehmertum vorbereitet?

Die Universität Graz hat sich in den letzten 15 Jahren sehr stark am Standort engagiert und ist eine wichtige Partnerin der regionalen Gründerszene geworden. Es gibt vielfältige Angebote für Studierende, die von der Ideenfindung bis zur Umsetzung reichen. Dazu zählen neben einschlägigen Lehrveranstaltungen internationale Austauschprogramme, Förderungen und Gründungsstipendien, Coworking-Arbeitsplätze, Beratungsangebote, Formate, um an den eigenen Ideen zu arbeiten, und vielfältige Start-up-Programme. Übrigens gibt es das alles nicht nur für Studierende, sondern auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität.

Wie kann Österreichs Wirtschaft wieder Aufwind bekommen?

Österreich ist teilweise der Sinn für die schöpferische Zerstörung verloren gegangen. Wir halten zu verkrampft an unseren Erfolgen der Vergangenheit fest, hemmen neue Entwicklungen aus Sorge, dass wir dabei etwas verlieren könnten. Wir haben hervorragend ausgebildete junge Menschen im Land, wir verfügen über die finanziellen Mittel, wir haben einen guten Ruf und wir sind Teil eines riesigen internationalen Markts. Wir sollten unsere Innovationskraft stärken, anstatt Symptome zu behandeln.

Viele große Konzerne straucheln momentan. Können sich kleine Unternehmen besser behaupten?

Kleine Unternehmen sind oftmals flexibler, anpassungsfähiger, agiler und können rascher auf neue Trends reagieren. Viele Innovationen werden deshalb zu Beginn federführend von jungen und kleinen Unternehmen getrieben, denken Sie an Computer, Internet, Social Media oder jetzt KI. Das heißt aber keineswegs, dass Konzerne nicht ebenfalls innovativ sein können, und schon gar nicht heißt es, dass sich nicht trotzdem die Großen am Ende durchsetzen werden.

Wie lernen Gründer:innen, zuversichtlich zu bleiben?

Unser Wirtschaftssystem ist ohnehin auf Zuversicht getrimmt. Volkswirtschaften streben nach Wachstum, Unternehmen möchten immer höhere Gewinne erzielen, und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen steigende Löhne und Gehälter. Selbst wenn es in krisenhaften Zeiten nicht ganz so leichtfällt, im Grunde glauben wir alle daran, dass wir unsere Ziele langfristig erreichen können. Wirtschaftliches Denken und Handeln begleiten uns seit Tausenden von Jahren.