2/2021
UNIZEIT
5/11
© Uni Graz/Tzivanopoulos

Ans Aufgeben denken derzeit wohl so manche. Liegt doch über ihnen, die sonst eher Öffentlichkeit und Rampenlicht suchen, viel Schatten. Insbesondere über KünstlerInnen der freien Szene. Darauf richten die Soziologie-Studierende in ihrem von Karin Scaria-Braunstein geleiteten Praktikum einen wissenschaftlichen Spot. Ein Teilprojekt nimmt konkret auf das Grazer Kulturjahr 2020 Bezug, das von Corona massiv eingeschränkt wurde. In Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Graz werden die knapp 100 geplanten Aktivitäten auf Änderungen in Form und Inhalt durchleuchtet. Also ist zum Beispiel die Corona-Krise Thema geworden? Hat eine Verschiebung in den virtuellen Raum stattgefunden Daraus soll sich in Folge ableiten lassen, wie diese Erfahrungen in die künftige Kulturarbeit eingebunden werden können. „Denn“, ist Scaria-Braunstein überzeugt, „wir wachsen mit den Herausforderungen und finden neue Wege der Kreativität.“ Kunst habe in gesellschaftlich schwierigen Zeiten immer eine wichtige Rolle gespielt.
Die Kulturschaffenden selbst stehen im Forschungspraktikum ebenso im Mittelpunkt. „Wie sehen die oft prekären Arbeitsverhältnisse aus, die vermutlich die Pandemie noch einmal verschlimmert hat?“, fragt ein weiteres Projekt der StudentInnen. Die Interviews sollen Aufschluss darüber geben, wie KünstlerInnen dieses finanzielle und womöglich soziale Prekariat selbst empfinden. Die genauen Ergebnisse werden auch hier bis zum Sommer vorliegen, wenn hoffentlich ZuseherInnen wieder live den Aufführungen beiwohnen können. Denn diese vermisst nicht nur die freie Szene, wie Iris Laufenberg, Intendantin des Schauspielhaus Graz bestätigt: „Gerade in einer Pandemie sind neben der sehr wichtigen Expertise aus der Virologie, auch die Soziologie, die Pädagogik, die Psychologie, ja auch die Seuchenhistorik – und die Kunst für die langfristige Gesundheit einer Gesellschaft von großer Bedeutung. Da das Virus nicht verschwinden wird, werden wir lernen müssen, damit zu leben. Dazu ist der Mensch mit heutigem Stand an Testmöglichkeiten, Impfungen und Antikörpern in der Lage. In diesem Sinne wäre ich als Theatermensch froh, bald wieder in leibhaftigen, sinnlichen und intellektuellen Austausch mit unserem Publikum zu kommen.“ 

von Andreas Schweiger

Karin Scaria-Braunstein zum Corona-Frust in der Gesellschaft:

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