2/2021
UNIZEIT
4/11
© Uni Graz/Tzivanopoulos

Sozialer Kitt

Seit Monaten sind Kultureinrichtungen geschlossen, Veranstaltungen abgesagt oder verschoben – auf später oder ins Internet. Für Katharina Scherke ist das ein eindeutiges Zeichen, dass die Politik Wert und Wirksamkeit der Kunst geringschätzt. „Sie ist in den Augen vieler ein Luxus, den es gerade während einer Pandemie, die den Staat sehr teuer kommt, nicht braucht. Genau das ist aber der große Trugschluss. Besonders in schwierigen Zeiten ist es wichtig, dass wir über zentrale Fragen des Zusammenlebens nachdenken. Wie möchten wir miteinander umgehen, wie soll unser Staat beschaffen sein, woher holen wir unseren sozialen Kitt? Literatur, Musik, Theater, Film oder Tanz thematisieren diese Fragen und geben uns Impulse, um eigene Antworten zu finden.“
Fehlt die Interaktion zwischen Kunstschaffenden und ihrem Publikum, dann fehlt jedem/jeder Einzelnen und der Gesellschaft als Ganzes etwas, meint Scherke: „Wir verzichten momentan auf kollektive Erlebnisse. Das Resultat sind individuelle Blasen, in denen jedeR für sich liest, streamt oder zuhört, wenn es die Zeit erlaubt. Ohne die Chance auf Interaktion sind wir aber mit unserer Interpretation des Inputs allein. Dann bleibt der Kreislauf zwischen Kunstschaffenden und Publikum unvollständig. Gerade in Zeiten des Lockdowns, die wir bislang alle noch nicht erlebt hatten, wäre es aber für viele Menschen wichtig gewesen, eines zu sehen: dass sie mit ihren Gedanken, Sorgen und womöglich auch Ängsten keineswegs allein sind.“
Der soziale Zusammenhalt zehrt also wesentlich davon, dass wir in einem aufbereiteten Rahmen davon erzählen können, was uns beschäftigt. Einen weiteren Benefit betont Scherke abschließend: „Dass die großen heimischen Kunst- und Kulturinstitutionen seit jeher nicht wenig Geld in die Staatskasse spülen, sollte ebenfalls beachtet werden, wenn über deren ‚Wert‘ debattiert wird.“

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