1/2021
UNIZEIT
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Zusammenspiel

Markus Neubauer ist Sportwissenschafter und verfasste seine Dissertation zum Thema „Sport als Medium regionaler Integration von MigrantInnen in der Steiermark“. 2020 wurde er dafür mit dem Sportwissenschaftlichen Preis des Landes Steiermark ausgezeichnet.

Für das Gelingen von Integration müssen eine Vielzahl an Faktoren berücksichtigt werden. Eine Voraussetzung ist jedenfalls, dass die Gesellschaft, die zuwandernde Menschen aufnimmt, gleichermaßen in Ausbildung, Sprache und Beschäftigung investiert. Welchen Beitrag der Sport leisten kann, hat Markus Neubauer im Zuge seiner Forschungsarbeit genauer beleuchtet.


Team-Aktivität kann, da ist man sich einig, für eine gelungene Integration ein wichtiges Hilfsmittel sein. Bereits 2016 stellte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel fest, dass „gerade Mannschaftssportarten sich dadurch auszeichnen, dass man zusammenhalten und dabei gemeinsame Regeln kennen muss.“ SoziologInnen bestätigen die einende Wirkung „Fußball zum Beispiel ist eine Weltsprache. Da spielt die Herkunft keine Rolle“, weiß auch Bewegungswissenschaftler Neubauer.
Er machte in seiner empirischen Untersuchung 17 Organisationen in der Steiermark ausfindig, die sich um die sportliche Integration von MigrantInnen bemühen. Viele von ihnen wurden in den letzten Jahren bereits mit Preisen des Österreichischen Integrationsfonds bedacht. „Die Steiermark ist jedenfalls führend, was diesen Bereich betrifft“, stellt er fest. „Ein attraktives Sportangebot spricht sich rasch in den Communities herum.“


Kampfgeist
Ein wichtiger Faktor bei der körperlichen Betätigung und förderlich für die Integration ist die Lust am Wettkampf. „Damit bietet Sport die Möglichkeit, sich in der neuen und fremden Umgebung rasch über Erfolgserlebnisse zu etablieren“, erklärt Neubauer. Der Fußball spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. „Das relativ einfache internationale Regelwerk ist überall verbreitet und bietet auch in einer fremden Kultur eine Oase des Vertrauten“, ist sich der Wissenschaftler sicher. Daneben seien aber auch beispielsweise Radfahren, Wandern oder Schwimmen unter MigrantInnen beliebt. „Hat man sie erstmal dafür begeistert, bleiben sie auch dabei“, lobt Neubauer deren Konsequenz.
Zu Beginn sind es vor allem Unverbindlichkeit und Zwanglosigkeit, die MigrantInnen zur Teilnahme motivieren. Die Aktivitäten eröffnen auch Chancen, weil positive, das Selbstbewusstsein stärkende Emotionen transportiert werden. „Man verfolgt ein den Zusammenhalt förderndes gemeinsames Ziel, übt sich in Toleranz und stellt Vorurteile sowie eigene Wertevorstellungen und Bedürfnisse hinten an“, führt der Wissenschaftler aus. Darüber hinaus werden Räume geschaffen, die über nonverbale Kommunikation Kontakte und Beziehungen aufbauen und damit Anschluss finden lassen. „Dabei sorgen Wettbewerbe und daraus hervorgehende kleine Konflikte für eine förderliche Reibung. Das Erlernen der deutschen Sprache ist dabei quasi ein wertvolles Nebenprodukt.“ Der wichtigste Punkt sei aber der Abbau von Vorurteilen und Ängsten. Denn Ziel jeder sozialen Integration muss es sein, Kontakt und Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft herzustellen. „Und dafür eignet sich der Sport jedenfalls ausgesprochen gut“, fasst Neubauer zusammen.


Schwierige Finanzierung
Womit die zahlreichen Projekte und Initiativen hart zu kämpfen haben, sind fehlende Gelder. Förderungen sind generell rückläufig und unzureichend, oft ist nicht einmal halb so viel Budget vorhanden, wie notwendig wäre. Darüber hinaus gibt es meistens nur Jahresförderungen. „Das heißt, dass man jedes Jahr wieder bei null anfangen muss“, erklärt Neubauer. Hier wäre eine längerfristige Planbarkeit wichtig. Auch sind die Förderbedingungen teilweise absolut kontraproduktiv. So gibt es Geld nur für anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte. „Diese Bestimmungen sind widersinnig“, stellt er fest. „Wenn alle Drittstaatenangehörigen, alle AsylwerberInnen und auch alle ÖsterreicherInnen von den Aktivitäten ausgeschlossen werden, geht das komplett am eigentlichen Zweck der Programme, nämlich der Integration, vorbei.“

von Joachim Hirtenfellner

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