3/2020
UNIZEIT
10/12
© Uni Graz/Jesacher

Diagnose aus dem Netz

Viele Jugendliche suchen sich täglich im Internet Informationen zu allen Themen, die sie bewegen. Folglich ist für sie „Dr. Google“ auch die erste Anlaufstelle bei Gesundheitsfragen. Doch die Diagnosen aus dem Netz auch richtig zu interpretieren, korrekte Information von Fehlinformation zu unterscheiden, ist nicht immer ganz einfach. Teenager tappen dabei oftmals in die Falle.
Laut einer europaweiten Umfrage ist die Gesundheitskompetenz – die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden – besonders bei österreichischen 15-Jährigen mangelhaft. An der Universität Graz versucht ein Team von BildungswissenschafterInnen, dem entgegenzuwirken. Barbara Gasteiger-Klicpera hat Anfang 2018 gemeinsam mit ihren KollegInnen Katharina Maitz und Dominik Pendl das Projekt „Health-Literacy und Diversity für SchülerInnen der Sekundarstufe I“ – kurz „HeLi D“ – ins Leben gerufen. Die ForscherInnen haben in Workshops an Schulen erhoben, welche Gesundheitsthemen für Jugendliche relevant sind. „Krebs, Immunsystem, Impfung, Allergien sowie schönheitschirurgische Fragen finden sie spannend“, weiß Gasteiger-Klicpera. „Interessant ist, wie die SchülerInnen die Suchergebnisse bewerten und einstufen. Viele lassen sich von aktiv platzierter Werbung, Sternchen-Bewertungen und auch von angeblichen ExpertInnen-Meinungen verleiten“, ergänzt Maitz.

Passende Plattform 

Um SchülerInnen wie Lehrpersonen gesicherte grundlegende Gesundheitsinformationen zur Verfügung zu stellen, entwickelt das Projektteam nun ein webbasiertes Open-Access-Programm, das im Unterricht eingesetzt werden kann. „Wikipedia ist bei vielen LehrerInnen verpönt, obwohl es mittlerweile als zuverlässiges Einstiegsportal gilt“, berichtet Maitz.
Um die Jugendlichen am besten zu erreichen, setzen die WissenschafterInnen wiederum auf ein digitales Medium. Für die technische Umsetzung ist das Know-Center zuständig, PartnerInnen der Med Uni Graz haben die Bearbeitung medizinischer Fachfragen übernommen.
Die relevanten Themen werden anhand von kurzen Geschichten in das Programm integriert, damit sie für eine möglichst große, heterogene Zielgruppe verständlich sind. „Wir haben bei der Erhebung der Daten besonders SchülerInnen mit Diversität in den Bereichen Erstsprache, sozioökonomischer Status und Behinderung berücksichtigt. Das spiegelt sich auch im Aufbau der Texte wider“, betont Gasteiger-Klicpera.
HeLi-D soll noch Ende 2020 online gehen.

von Konstantin Tzivanopoulos


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