3/2020
UNIZEIT
7/12

Schwermetall schweißt zusammen

Jugendkulturen geben Halt, vor allem in Krisenzeiten. Musik, Kleidung und Sprache verbinden. Welche Spuren die Corona-Pandemie in der heimischen Metal-Szene hinterlassen hat, untersucht Kulturhistoriker Peter Pichler.


Als „Aufrüttler“-Genre hat sich Heavy Metal – Schwermetall – in den 1970er-Jahren als eine Mischung aus Hardrock und Blues in England formiert und in der ganzen Welt in verschiedenen Nebenströmungen etabliert. Schwarze Kleidung, lange Haare, Lederjacken und Nietengürtel sind immer noch sichtbare Zeichen der Rebellion gegen Recht und Ordnung.
„Unter dem Motto des Judas-Priest-Hits ,Breaking the Law‘ verkörpern Metaler auch heute – wenngleich etwas abgeschwächt – das Ideal der Gesetzeslosen, die gegen das Etablishment für Freiheit auftreten“, erzählt Peter Pichler. Er arbeitet in einem vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF finanzierten Projekt die Geschichte der steirischen Heavy-Metal-Community auf.
Hierzulande besteht die Szene seit den 1980er-Jahren. Nicht ohne sich zu verändern: „Gesellschaftpolitische Entwicklungen und Themen wie die Emanzipation der Frau, Migration und auch die Corona-Krise werden in den Liedern sichtbar.“ Die Bindung der Fans an die Bands und KünstlerInnen ist im Heavy Metal enorm ausgeprägt: „Neben dem Schlager hat diese Stilrichtung die loyalste Community auf dem Musikstreaming-Dienst Spotify. Die Fans wissen, Iron Maiden wird Iron Maiden und Metallica wird Metallica bleiben“, weiß Pichler.
In unsicheren Phasen sind die Rückzugsmöglichkeiten, die die Musik bietet, besonders wichtig: „Bei Entfremdung von der Gesellschaft oder Zukunftsangst benötigen junge Menschen Idole, an die man sich klammern kann“, erzählt der Forscher. „Schutzräume, wie etwa Konzerte, lassen Alltagsprobleme zur Nebensache werden und für kurze Zeit in eine andere Welt eintauchen. Jugendliche fühlen sich geborgen.“

von Konstantin Tzivanopoulos

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