ZIMMERPFLANZEN
Ein Trend treibt Blüten
Glücksfeder, Philodendron und Monstera. In den WGs und Wohnzimmern hat die Natur Einzug gehalten. In einer Uni-Graz-Umfrage auf Instagram geben 79 Prozent von rund 700 Studierenden an, Pflanzen zu Hause zu haben. Aus gutem Grund, wie Thomas Galik vom Botanischen Garten der Universität Graz weiß.
Gehegt, gepflegt, geliked
„Gerade in der jüngeren Generation wird Nutz- und Ziergewächsen wieder eine größere Bedeutung beigemessen“, erläutert Galik, der seit über zehn Jahren im Botanischen Garten tätig ist. Laut einer Instragram-Umfrage der Universität Graz vom 17. April 2026 besitzen 43 Prozent der Studierenden sogar mehr als drei Zimmerpflanzen. Die Begeisterung scheint auf fruchtbaren Boden zu fallen: Unter Hashtags wie #MonsteraMonday, #PlantParenthood oder #UrbanJungle vereint sich die grüne Community auf Social Media. Sogenannte Plantfluencer inszenieren sich auf Instagram und Tik-Tok und posten regelmäßige Updates zu ihren grünen Schützlingen.
Dieses Revival der Innenraum-Begrünung führte zeitweise sogar dazu, dass Stecklinge beispielsweise der Gattung Monstera Deliciosa Variegata auf Online-Marktplätzen wie willhaben zu Wucherpreisen verkauft wurden. Auch die Studierendenumfrage spiegelt den Trend wider: Auf die Frage, welche Pflanzen sie ihren Kommiliton:innen empfehlen würden, wurde besonders häufig das pflegeleichte Grüne Fensterblatt genannt. „Das ist nichts Neues“, weiß Galik. „Schon in den 1630er-Jahren kam es in den Niederlanden zu einer regelrechten Tulpenmanie.“ Die gehandelten Zwiebeln lösten eine der ersten dokumentierten Wirtschaftsspekulationen der Geschichte aus.
Die Begeisterung für Grün im Raum reicht noch weiter zurück: Bereits in der Antike wurden Lorbeerbäume in Gefäßen kultiviert. In der Neuzeit waren es vor allem architektonische Veränderungen und optimierte Verfahren in der Glasherstellung, die den Gewächsen zugutekamen. Größere Fenster bedeuteten mehr Licht und begünstigten die Fotosynthese, wodurch Zimmerpflanzen besser gedeihen konnten. Seine Hochblüte erlebte der Trend in der Biedermeierzeit, wo Blumentische ein Must-have für jeden Salon waren. Grünlilien, Bogenhanf und Gummibaum – Arten, die Galik heute noch empfiehlt – standen damals bereits in den Wohnräumen und zieren gegenwärtig wieder die Studierendenzimmer.

Thomas Galik hat Tipps für jede Wachstumsphase: "Ich habe das Glück, die Pflanzen nicht verkaufen zu müssen, sondern sie vom Samen bis zum fertigen Gewächs pflegen zu können."
Pflegeleicht durchs Semester
Doch lohnt sich die Liebhaberei überhaupt? „Wenn uns der hektische Alltag über den Kopf wächst, können Zimmerpflanzen wesentlich zu unserem Wohlbefinden beitragen“, hält der Gärtnermeister fest. Pulsfrequenz und Blutdruck würden nachweislich sinken. Zusätzlich bringt das Grün aufgrund seines hohen Sauerstoffgehalts die eigene Leistungsfähigkeit regelrecht zum Aufblühen. „Efeututen und Grünlilien sind insbesondere für Studierende empfehlenswert. Sie wirken sich positiv auf die Luftqualität aus und verzeihen zu viel und zu wenig Wasser“, weiß Galik.
Damit die lebende Zimmer-Deko auch langfristig hoch hinauswächst, gilt es bei der Pflege einiges zu beachten. Den häufigsten Fehler kennt der Experte gut: das gut gemeinte Schluckerl Wasser zwischendurch. „Staunässe erstickt die Pflanze“, erklärt der Gärtner, der sich selbst scherzhaft als Ficus-Benjamin-Killer bezeichnet. Wer viel unterwegs ist oder während stressiger Prüfungsphase aufs Gießen vergisst, sei mit Sukkulenten, Kakteen oder Aloe Vera gut beraten. Diese kämen mit längeren Trockenphasen gut zurecht. „Und weil alle Lebewesen gerne essen, ist auch gelegentliches Düngen für eine starke, robuste Topfpflanze hilfreich“, ergänzt Galik.
Alles im grünen Bereich?
Mit einem Like allein lasse sich allerdings kein Gewächs am Leben erhalten. „Man sollte sich bewusst sein, dass man sich nicht nur eine Ware in die Wohnung holt“, betont der Gärtner und distanziert sich von der Natur als bloßes Lifestyle-Produkt. Wer das verinnerlicht hat, für den lohnt sich in herausfordernden Prüfungsphasen vielleicht auch ein Abstecher in den Botanischen Garten, denn: „Dieser Ort macht glücklich“, meint Galik lachend, und die Wissenschaft gibt ihm recht. Tatsächlich zeigen Studien, dass die verschiedenen Grüntöne der Natur die Stimmung heben und präventiv gegen Depressionen wirken.
